Forschung in Rheinland-Pfalz

Collage der Gruppe Forschung in Rheinland-Pfalz[Bild: Gruppe Forschung in Rheinland-Pfalz]

Historische Forschung ruht in Rheinland-Pfalz auf vielen Schultern, von universitären und außeruniversitären Einzelforschern über sammlungsbesitzende Institutionen bis hin zu ganz auf Forschung spezialisierten Einrichtungen. Ihre Ergebnisse verändern das Bild auf die Geschichte nicht nur durch neue Sacherkenntnisse, sondern auch durch neue methodische Perspektiven. Die Vielfalt der historischen Forschung in Rheinland-Pfalz spiegelt sich neben der verschiedenen  Organisationsformen und Strukturen besonders in den Themen und Forschungsbereichen: Von der Antike bis zur Zeitgeschichte, von regionalen Schwerpunkten bis zu internationalen Fragestellungen finden sich Forschungsgruppen und Projekte.
Vernetzung, Kooperationen und intensiver wissenschaftlicher Austausch sind wichtige Faktoren für die erfolgreiche Forschung in Rheinland-Pfalz. Die beteiligten Institutionen strahlen mit ihrer Arbeit weit über die Landesgrenzen hinaus. Neben der räumlichen Vernetzung zeichnet sich die Forschung in Rheinland-Pfalz durch Interdisziplinarität aus. Forschungsinstitute, Hochschulen und wissenschaftliche Museen aus den verschiedensten Disziplinen arbeiten eng zusammen.
Eine zentrale Aufgabe der wissenschaftlich arbeitenden Institutionen in Rheinland-Pfalz ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft. Ziel ist es, die Erkenntnisse verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zugänglich zu machen. Hierzu dienen Publikationen, Online-Angebote und –Datenbanken, Ausstellungen sowie Veranstaltungen aller Art.

Folgende Institutionen präsentieren das Thema auf dem Historikertag:

0.1.Forschungszentrum Europa

Das Forschungszentrum Europa – Strukturen langer Dauer und Gegenwartsprobleme (FZE) bündelt kultur- und sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben zu epochenübergreifenden Kontinuitäten und Strukturen Europas. Untersucht werden deren Relevanz für gegenwärtige Problemlagen in Kultur, Politik und Gesellschaft. Unterstützt werden die Forschungen zu Sozialbeziehungen und Sinnkonstruktionen langer Dauer sowie die Zusammenarbeit zwischen gegenwartsorientierten und historisch orientierten Forschern. Geographischer Schwerpunkt ist Europa und der mediterrane Raum seit der Antike.
Im Rahmen seiner Koordinationsaufgaben dient das Zentrum als Servicecenter: Es übernimmt für die Verbünde Managementaufgaben sowie Öffentlichkeitsarbeit und fördert neue Forschungsinitiativen in ihrer Startphase.
Aktuell koordiniert das Forschungszentrum folgende Verbünde:
o    SFB 600 "Fremdheit und Armut. Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart"
o    Forschungscluster der Universitäten Trier und Mainz "Gesellschaftliche Abhängigkeiten und soziale Netzwerke"
o    Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden 
o    DFG-Forschungsgruppe "Nach dem Boom. Forschungen zur Entwicklung westeuropäischer Industriegesellschaften im letzten Drittel des 20. Jahrhundert"

Internationale Vernetzung, Nachwuchsförderung und der Transfer von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft sind für das FZE selbstverständlich. Zu den zentralen Wissenstransferprojekten gehören die Ausstellung "Armut – Perspektiven in Kunst und Gesellschaft" , die Summer School on Social Network Analysis sowie die Produktion der didaktischen DVD "Ägypten – Eine Gesellschaft, viele Kulturen".
Für den Einsatz in Wissenschaft und Forschung wurden zudem das Softwaretool VennMaker und das Forschungsnetzwerk und Datenbanksystem FuD entwickelt.

0.2.Handschriftencensus Rheinland-Pfalz

[Bild: Handschriftencensus]

Der Handschriftencensus Rheinland-Pfalz ist ein an eine Universität angeschlossenes Projekt der Grundlagenforschung. Er wurde mit Mitteln der DFG vom Deutschen Institut der Johannes Gutenberg-Universität und der Universitätsbibliothek Mainz ins Leben gerufen, um die noch weniger gut erschlossenen rheinland-pfälzischen Bestände mittelalterlicher Handschriften auffindbar zu machen. Anders als bei anderen Erschließungsprojekten dieser Art, die eine erhebliche Bearbeitungsdauer vorsehen, werden die Bücher für den Census nur in aller Kürze erfasst und nicht zum Bearbeiter gebracht, sondern von diesem aufgesucht. Die im Aufbau befindliche Website wird diese Bestände präsentieren und einen Überblick über diesen Teil des historischen Gedächtnis des Bundelands liefern. Die Ergebnisse des Census werden mittelfristig auch in normierter Form in die zentrale deutsche Datenbank für Handschriften, www.manuscripta-mediaevalia.de, eingespeist und damit zum Teil eines umfangreichen und weltweit einzigartigen Forschungsnetzes werden.

0.3.Leibniz-Institut für Europäische Geschichte

[Bild: Leibniz-Institut für Europäische Geschichte]

Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz ist eine selbständige, gemeinnützige Einrichtung zur Erforschung der religiösen, kulturellen und politischen Geschichte Europas. Das IEG erforscht die historischen Grundlagen des modernen Europa von Beginn der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert. Diese Forschungen zu den Grundlagen Europas konzentrieren sich auf gesamt- und teileuropäische Transferprozesse, auf die Geschichte des bewussten Nachdenkens über Europa sowie auf eine Theorie- und Methodenreflexion zur historischen Europaforschung. Die religiösen und konfessionellen Prägungen dieser Phänomene sind ein Schwerpunkt der interdisziplinären Arbeit des Instituts. Das Forschungsprogramm der nächsten Jahre orientiert sich am Leitthema des Umgangs mit Differenz. Wir betrachten Europa als Laboratorium für die Entwicklung verschiedener Formen der Regulierung, der Begrenzung und der Ermöglichung von Andersartigkeit und Ungleichheit.
Das IEG betreibt ein internationales Stipendienprogramm für Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler sowie ein interdisziplinäres Graduiertenkolleg (gemeinsam mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz). Seit über einem Jahrzehnt ist das Institut dem Gedanken des open access publishing verbunden. Zu seinen Forschungs- und Publikationsprojekten in diesem Bereich gehören u.a. EGO | European History Online, IEG-Maps sowie die Rezensionsplattform für die europäische Geschichtewissenschaft recensio.net. Das IEG ist seit 2012 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

0.4.Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM)

[Bild: RGZM]

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts.
Am Hauptsitz in Mainz sind die Abteilungen Vorgeschichte, Römerzeit und Frühmittelalter mit ihren Ausstellungen, die Restaurierungswerkstätten, sowie die Bibliothek (eine der größten archäologischen Fachbibliotheken Europas) untergebracht. In Mainz-Süd befindet sich der Forschungsbereich (FB) Antike Schiffahrt mit Museum, in Neuwied-Monrepos der FB Altsteinzeit mit dem Museum für die Archäologie des Eiszeitalters. In Mayen ist der FB Vulkanologie, Archäologie und Technikgeschichte angesiedelt, der seine Ergebnisse unter anderem im Vulkanpark-Osteifel vermittelt. Ab 2012 wird in Mayen zudem ein Labor für Experimentelle Archäologie betrieben.
Die Forschungen am RGZM reichen von der Altsteinzeit bis ins späte Mittelalter. Eine große Stärke liegt dabei in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Restaurierung und Archäometrie. In den Werkstätten und Laboratorien werden wichtige archäologische Funde aus aller Welt untersucht, restauriert, konserviert und kopiert. Zudem hat sich das RGZM als eine wichtige Ausbildungsstätte für archäologische Restauratoren etabliert.
Durch die interdisziplinäre und internationale Ausrichtung verfügt das Institut über ein tragfähiges Netzwerk von Kooperationspartnern. Eine Besonderheit ist die Zusammenarbeit mit China, bei der zukünftig die kulturhistorische Auswertung und naturwissenschaftliche Analytik im Fokus stehen wird.
Das RGZM vermittelt seine Forschungsergebnisse an die Wissenschaftswelt und an eine breite Öffentlichkeit. Der hauseigene Verlag gibt drei wichtige Fachzeitschriften und zahlreiche wissenschaftliche Monographien heraus. Zur Wissenschaftsvermittlung dienen Dauer- und Sonderausstellungen, populärwissenschaftliche Publikationen sowie verschiedenste Veranstaltungen.