Nationalsozialismus

Landauer Synagoge[Bild: Stadtarchiv Landau/Pfalz]

Die Erforschung der Zeit des Nationalsozialismus bezogen auf unser Bundesland stellt ein schwieriges Unterfangen da, wurde doch Rheinland-Pfalz erst 1946/47 aus verschiedenen Regionen gebildet. Die Betrachtung der NS-Zeit auf der kommunalen und regionalen Ebene bietet jedoch die Chance, das Aufkommen und die Konsolidierung der NS-Diktatur genauer verstehen zu lernen. Der mikroskopische Blick auf Motive und Einstellungen der damaligen Bevölkerung sowie auf regionale Besonderheiten erlaubt es, auch komplexere Zusammenhänge genauer zu analysieren. Dies geschieht auch mit Blick auf die Gestaltung einer demokratischen, humanen und friedlichen Zukunft in unserem Land. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der NS-Zeit hat in Rheinland-Pfalz vergleichsweise spät begonnen. Mittlerweile konnten aber etliche Forschungslücken geschlossen werden und viele Einzelpersonen und Initiativen arbeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten an dieser Thematik. Sie werden dabei unterstützt durch die Landesarchivverwaltung und das NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz.

Folgende Institutionen präsentieren das Thema auf dem Historikertag:

0.1.Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz

[Bild: Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz]

Die Landesarchivverwaltung besteht aus dem Landeshauptarchiv Koblenz und dem Landesarchiv Speyer. Aufgrund der Bedeutung der in beiden Archiven verwahrten Aktenbestände zur nationalsozialistischen Herrschaft hat die Landesarchivverwaltung schon 1967 mit der Publikation von einschlägigen Quellen und  Auswertungen begonnen.
Die bislang vorgelegten Veröffentlichungen beziehen sich auf den Alltag unter der NS-Herrschaft, auf die sicherheitspolizeiliche Beobachtung der Bevölkerung sowie auf die Verfolgung, Enteignung und Deportation der Juden. Auch die archivpädagogischen Angebote der Landesarchivverwaltung berücksichtigen die nationalsozialistische Epoche.

0.2.NS-Dokumentationszentrum Rheinland-Pfalz

[Bild: Landeszentrale für Politische Bildung]

Seit 1991 hat die Landesregierung in Rheinland-Pfalz die Gedenkarbeit, die Pflege von Gedenkstätten und die Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt. Für die Ausgestaltung dieses Auftrages wurde in der Landeszentrale für politische Bildung das Referat Gedenkarbeit geschaffen. Dort wurde damit begonnen systematisch Dokumente, Fotos, Zeitzeugenberichte (schriftlich und/oder als AV-Medien), Mikrofilme und Mikrofiches insbesondere zu den beiden ehemaligen Konzentrationslagern in Osthofen bei Worms und Hinzert bei Trier, aber auch zu anderen, die NS-Zeit in Rheinland-Pfalz betreffenden Themen zu sammeln. 

0.3.Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz

[Bild: Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten..]

2001 gründeten in Mainz 19 nicht-staatliche Organisationen die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz (LAG). Heute bündelt und stärkt die LAG aktuell 47 bürgerschaftliche Vereine und Initiativen. Diese halten durch ihr Engagement die Erinnerung an die verschiedensten Opfergruppen der NS-Diktatur wach. Sie suchen und pflegen durch persönliche Kontakte zu deren Angehörigen eine aktive Versöhnungsarbeit. Damit leisten sie zur geschichtlichen Aufarbeitung dieser Zeit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Von weiteren vielfältigen Aktivitäten der LAG-Mitglieder können hier nur einige genannt werden: die Erstellung lokaler und regionaler Erstdokumentationen jüdischer Friedhöfe und Synagogen, Opfer-Biographien, Ausstellungen und Datenbanken für NS-Opfer, die Initiierung von Stolpersteinaktionen und die Gestaltung von Gedenkveranstaltungen. Durch Fachtagungen und finanzielle Zuwendungen fördert die LAG diese Arbeit gegen das Vergessen.

0.4.Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V.

[Bild: Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V.]

Eines der Ziele bei der Vereinsgründung 1983 war es, Beiträge zu leisten, um die Zeit des Nationalsozialismus in Mainz historisch aufzuarbeiten. Diese war zum damaligen Zeitpunkt weitgehend unerforscht. Der Verein hat seitdem zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen, v.a. Mainzer Jüdinnen und Juden, geführt sowie sich in Ausstellungen und Vorträgen mit dem Thema beschäftigt. Mehrere Themenhefte der „Mainzer Geschichtsblätter“ zur NS-Zeit liegen vor, in Sonderheften werden die Erinnerungen Mainzer Juden publiziert. Stadtrundgänge, die der Verein anbietet, führen „Auf den Spuren des Nationalsozialismus“ und „Auf den Spuren der Bücherverbrennung“ durch Mainz. Auch bemüht sich der Verein um die Verlegung von „Stolpersteinen“ in der Stadt.